Willkommen auf meinem Blog über „multikulturelle“ Kinderbücher.

Multikulturalität ist hier ein Überbegriff für Themen wie binationale und multiethnische Familien, Mehrsprachigkeit, Reisen anhand von Büchern, Kulturen dieser Welt, Rassismusprävention, Vorurteilsbewusstsein. Diese hoffe ich, kindgerecht dargestellt in Kinder- und Bilderbüchern zu finden. Da meine Kids noch nicht in die Schule gehen, stelle ich auch nur Bücher für Kinder von 0 – 6 Jahren vor.  

Identität – Integration – Diversität

Nicht nur, dass wir selbst eine multikulturelle Familie sind, nein, kulturelle Diversität ist heute in jeder Gesellschaft präsent und es ist überfällig, dies auch in Kinderliteratur widergespiegelt zu sehen. Und ja, ich finde es richtig, rassistisch und sexistisch konnotierte Wörter in Kinderbuchklassikern zu verändern, weil es 1. nicht richtig ist, dass manche Bevölkerungsgruppen verletzt und beleidigt werden, und weil es 2. Vorurteile und rassistische Strukturen festigt. Diese Wörter als Gesprächsanlass zu nehmen über Rassismus zu sprechen ist zwar richtig, aber nicht, wenn ich meinen Kleinen vor dem Einschlafen vorlese. Da möchte ich nicht über die un-mögliche Verwendung des N*Wortes sprechen.

Alle Kinder profitieren von Diversität in Kinderliteratur – auch (und vielleicht gerade) die weißen Kinder, die mit Mama, Papa, Hund in einem Haus mit Garten und Auto und übermäßig vielen Spielsachen leben. Schon 1990 definierte die US-Erziehungswissenschaftlerin Rudine Sims Bishop die drei Aufgaben von Kinderliteratur: Kinder sollen sich darin selbst erkennen (mirrors), sie sollen in andere Welten blicken können (windows) und sie sollen in andere Welten eintreten können (sliding glass doors). Repräsentationen der bekannten Welt oder auch seiner eigenen Identität sind genauso wichtig wie die Repräsentation von etwas Unbekanntem, Fremdem oder Anderem, denn nur so kann man auch etwas Neues erfahren und lernen, den Horizont erweitern – eine Fähigkeit, die gemeinhin Büchern zugeschrieben wird. Der Wunsch ist, dabei ohne Stereotypen, Zuschreibungen und Vereinfachungen auszukommen. Obwohl ich den Fokus auf verschiedene Kulturen und Migration gelegt habe, umfasst die Darstellung von Diversität alle Kinder in verschiedenen Lebensrealitäten: unterschiedliche Familienkonstellationen, Leben mit Behinderung oder Krankheit. Neben dem Wunsch nach Diversität in Kinderbüchern, bewegt mich das Lernen von und über andere Kulturen. Ich bin immer auf der Suche nach Büchern aus anderen Ländern, die den kleinen und großen Lesern die Landeskultur näher bringen. Folglich finden sich in meinen Buchbesprechungen besonders viele Kinder of Color (in Anlehnung an das amerikanische „People of Color“) und eine meiner Kategorien lautet Schwarze ProtagonistInnen (schwarz groß geschrieben), weil die Geschichte Schwarzer Mitmenschen besonders mit Rassismus verknüpft ist und die Darstellung Schwarzer Kinder besonders unterstützt werden sollte.

Wir haben alle vorgestellten Bücher garantiert selbst gekauft, gelesen und getestet. Neben den vorgestellten Büchern haben wir natürlich noch viele mehr und auch nicht alle unserer Bücher repräsentieren eine diverse Gesellschaft. Diversität sollte nicht um ihrer selbst willen und aus political correctness dargestellt werden, aber Kinderbücher sollten der Lebensrealität der Kinder entsprechen und sich von da ausgehend öffnen und Dinge möglich machen.

Es ist nie zu früh, den Kindern zu zeigen, dass sie überall auf der Welt zu Hause sind und dass alle Menschen gleich viel wert sind!

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Bücher sind zu mancherlei da …

Damit man lacht, zum Beispiel. Lachen ist wichtig.
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Damit man Sehnsucht bekommt. Das ist vielleicht das Wichtigste.

Mira Lobe