We´re sailing to Galapagos. A week in the Pacific. Laurie Krebs (Text), Grazia Restelli (Illustrationen). Barefoot Books, 2019. [2005]

Ich bin immer auf der Suche nach Büchern aus oder über Ecuador. Leider gibt es nicht so viele. Die Anden werden zumeist mit Peru in Verbindung gebracht, das Amazonasgebiet mit Brasilien, die indigene Bevölkerung auch mehr mit Peru oder Bolivien – nur eines ist weltweit bekannt und wirklich nur ecuadorianisch: die Galapagos-Inseln. Folglich gibt es dazu auch einige Publikationen.

Die Galapagos-Inseln liegen rund 1000km westlich der Küste Ecuadors im Pazifischen Ozean. Es handelt sich um ein über 100 Inseln umfassender Archipel vulkanischen Ursprungs mit auch heute noch aktiven Vulkanen. Nur ein Bruchteil der Inseln ist besiedelt, da viele klein bis winzig sind. Wurden sie zuerst Islas Encantadas („Verzauberte Inseln“) genannt, wurden sie im 19. Jahrhundert nach den dort lebenden Riesenschildkröten benannt. Galápagos bedeutet im spanischen u.a. „Wulstsattel“ und bezieht sich auf die Aufwölbung des Schildkrötenpanzers im Nackenbereich bei einigen Arten der Galapagos-Riesenschildkröten. Die Inseln wurden erst nach der Inbesitznahme durch Ecuador besiedelt – es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass davor dauerhaft Menschen dort wohnten.

Die Galapagos-Inseln sind bekannt für ihre einzigartige Flora und Fauna (Unesco Weltnaturerbe seit 1978) und den Besuch von Charles Darwin 1835 mit der HMS „Beagle“, einem Vermessungsschiff der britischen Marine. Durch das nährstoffreiche Tiefenwasser herrscht rund um den Archipel eine hohe Artenvielfalt und eine Vielzahl der dort heimischen Tiere sind endemisch, d.h. es gibt sie nur dort. Darwins Besuch und seine Beobachtung der Tiere, besonders der Finken (auch Darwinfinken oder Galapagosfinken genannt), führten zu seiner Evolutionstheorie, nämlich wie natürliche Selektion zu Anpassung, Veränderung und zur Entwicklung neuer Arten führt – veröffentlicht 1859 in «Über die Entstehung der Arten».

Im Buch „We´re Sailing to Galapagos. A Week in the Pacific.” folgt man einem Jungen und einem Mädchen auf ein Segelboot und fährt übers Meer bis zu den Galapagos-Inseln. Dort trifft man an jedem der sieben Tage der Woche auf eines der dort heimischen Tiere: Montag die Riesenschildkröten (endemisch), Dienstag Albatrosse, Mittwoch Meerechsen (end., siehe Foto), Donnerstag rote Klippenkrabben, Freitag Blaufußtölpel, Samstag Seelöwen (end.) und Sonntag Bindenfrigattvögel. Pro Tag/Tier wird eine Doppeseite verwendet. Danach werden alle sieben noch einmal auf einer Doppelseite dargestellt, bevor Mädchen und Junge im Segelboot zum Abschied winken. Mädchen und Junge tragen typische lateinamerikanische folkloristische Kleidung und haben dunkle Haut. Das Mädchen trägt einen roten ausgestellten Rock, ein weißes T-Shirt, eine lange Kette, einen bunten Hut und hat ihre Haare zu zwei Zöpfen geflochten. Der Junge trägt gelbe weite Hosen, ein orangefarbiges Shirt, eine bunte Weste, eine andine Wollmütze (mit Ohrenkappen und Bändeln links und rechts) und eine Tasche quer über dem Oberkörper. Beide tragen Sandalen. Am Ende des Buches gibt es Informationen über den Archipel und weitere Tiere sowie über Charles Darwin.

Das Buch ist auf Englisch und auf Spanisch erschienen, wobei die spanische Version leider nicht erhältlich ist. Jede Doppelseite setzt sich aus einem Vierzeiler (ABCB) und einem Refrain „We´re sailing to Galapagos, Galapagos, Galapagos, We´re sailing to Galapagos. I wonder who we´ll see.“ Durch den reduzierten Text und die etwas lyrische Sprache ist es nicht so einfach, die Vierzeiler schnell zu übersetzen. Als erstes müssen die Bezeichnungen für die Tiere nachgeschlagen werden, dann müssten Wörter nachgeschlagen werden und dann, falls ein ähnliches Format gewünscht ist, wieder neu als Vierzeiler mit gleicher Reimstruktur zusammengesetzt werden. Ein schönes Äquivalent für beispielsweise „On Tuesday, courting albatrosses, / Shaded grey and white, / Rehearse the drills of clacking bills / until they get it right.” zu finden kostet etwas Zeit und Energie, die ich bisher nicht bereit war zu investieren. Obiger Vierzeiler ist ein typisches Beispiel dafür, dass man fremdsprachige Aussagen zwar versteht, aber nicht unbedingt spontan wiedergeben kann und schon gar nicht in ähnlicher Struktur und Reimform. Deshalb genießen wir das schmale Büchlein ohne den Text von Laurie Krebs. Man kann sich selbst eine Geschichte zu Boy&Girl ausdenken, die Galapagos besuchen. (Man sollte vielleicht im Kopf haben, dass die meisten Ecuadorianer sich einen Urlaub auf Galapagos nicht leisten können – und von allen Ecuadorianern die indigene Bevölkerung (die ja anhand des Kleidungsstils wohl dargestellt werden soll) am wenigsten. Außerdem ist Tourismus zwar die Haupteinnahmequelle der Inseln, aber auch ihre größte Bedrohung. Obwohl streng reglementiert, haben sich die touristischen Besuche in den letzten 30 Jahren versiebenfacht: von 40.000 auf 276.000 Besuchern pro Jahr – mit zum Teil verheerenden Auswirkungen für das fragile Ökosystem.)

Das Besondere dieses Buches liegt für uns in den Illustrationen, die großformatige Kollagen aus Papier und weiteren Materialien (Sand, Steine, Wollfaden) sind. Während der Refrain immer an der gleichen Stelle zu finden ist, ist der Vierzeiler wellenartig quer über die Seiten verteilt und dynamisch in die kurvigen Illustrationen eingearbeitet. Sie laden ein, genau hinzusehen und im Anschluss selbst aktiv und kreativ zu werden, um einige der Darstellungen selbst zu versuchen. Wir haben bisher die Schildkröte nachgebastelt – das Habitat ist noch ein work in progress …

Laurie Krebs hat weitere Bücher für die kleinen Leser: u.a. eine Safari in Tanzania mit Zahlen bis 10, eine Segelfahrt auf dem Nil und eine Zugfahrt in den peruanischen Anden. Alle Bücher sind bei Barefoot Books erschienen, die sehr schöne und vielfältige Bücher zu Geschichten über andere Länder publizieren und einen Fokus auf Diversität und Inklusion legen.

Zum Weiterlesen über Galapagos:

Sascha M. Kleis, 24.01.2020 in der NZZ: https://www.nzz.ch/wochenende/reisen/darwin-und-galapagos-das-weltnaturerbe-ist-in-gefahr-ld.1528327

Irene Meichsner, 27.12.2016 Kalenderblatt des Deutschlandfunks: https://www.deutschlandfunk.de/vor-185-jahren-gestartet-charles-darwins-expedition.871.de.html?dram:article_id=374762

©Kathrin Schneider


3 Gedanken zu “We´re sailing to Galapagos. A week in the Pacific.

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