My Breakfast with Jesus. Worshipping God around the World. Tina Cho (Text), Guy Wolek (Illustrationen). Harvest House Publishers, 2020.

Tina Cho ist eine US-amerikanisch-koreanische Kinderbuchautorin und Lehrerin. Nach „Rice from Heaven“ (2018) und „Korean Celebrations“ (2019) wurde sie 2020 mit „The Ocean Calls“, einer Geschichte über die Haenyeo, südkoreanischen Taucherinnen, einem größeren Publikum bekannt. Bereits im Kindesalter werden die Haenyeo auf der Insel Jejudo zu Taucherinnen ausgebildet, um Meeresfrüchte ernten zu können. Die Ausbildung ist sehr hart und sie erreichen schließlich erstaunliche Leistungen bis hin zur körperlichen Anpassung an das Unterwassersein: sie bekommen ein erweitertes Lungenvolumen und nutzen die Milz als Sauerstoffreservoir. Interessanterweise erledigen nur die Frauen diesen Beruf und die Gesellschaft auf dieser Inseln ist matriarchalisch. Heute gibt es nur noch wenige Frauen, die diesen Beruf ausüben und die meisten aktiven Taucherinnen sind schon über 60. Mittlerweile handelt es sich um eine Touristenattraktion. Cho macht daraus eine Geschichte über ein Mädchen, das, wie ihre Großmutter, Taucherin werden möchte, jedoch Angst vor dem Ozean hat. Mit Hilfe der Großmutter überwindet sie langsam ihre Angst und wagt sich in die Tiefen und Wunder des Meeres. Leider gibt es dieses vielversprechende Buch (bisher) nur auf Englisch, genauso wie das Buch, das ich heute hier vorstelle.

„My Breakfast with Jesus“ verrät ja schon im Titel, worum es geht: überall auf der Welt beginnen Kinder morgens einen neuen Tag mit einem ersten Essen, Jesus im Herzen und einem Gebet auf den Lippen. Während dies die Quintessenz und das Ende des Buches ist, beginnt es mit Jesus und seinen Jüngern, die Fisch zum Frühstück im Freien über dem Lagerfeuer braten. Im Folgenden werden zumeist Kinder (häufig mit Familienangehörigen oder Freunden) in verschiedenen Ländern und Orten der Welt gezeigt. In dieser Reihenfolge lernt man etwas über: USA (Iowa), Brasilien, Niederlande, Ghana, Arabische Emirate, Indien, Russland, China, Korea, Australien, Antarktik, Weltall. Die Präsenz Iowas in der Liste ist sicherlich eine Hommage an den Staat, in dem die Autorin aufwuchs. In der Antarktik und im Weltall sieht man keine Kinder, sondern eine Wissenschaftlerin und einen Kaplan und eine Astronautin.

Man sieht und bekommt erklärt, was sie an dem jeweiligen Ort typischerweise zum Frühstück essen und man erfährt etwas über das Leben dort oder Gewohnheiten/Traditionen, wie z.B. dass manche brasilianische Kinder morgens Kaffee trinken und grüner Tee in ganz Korea beliebt ist. Die Illustrationen sind cartoonhaft, weiche Formen beherrschen die Szenen und alle haben kindlich große Augen. Mal sieht man viele Leute, dann wieder nur zwei, mal sieht man landestypische Tiere (Kanguruhs, Dromedare…), mal ein Wahrzeichen (Windmühlen, Zuckerhut…). Insgesamt sind die Darstellungen inhaltlich sehr abwechslungsreich, aber die Seiten sind immer gleich aufgebaut: eine Doppelseite über den jeweiligen Ort mit kurzer Beschreibung und kurzer Nennung des Kindes (Dmitri in Russland, Oliver in Australien, Priya in Indien, Afi in Ghana…), eine christliche Handlung (mit Freunden teilen, Bibellektüre, gemeinsames Beten…) und einmal pro Doppelseite, am Ende des Fließtextes den gleichen Satz mit wechselnden Adjektiven: „A spicy/peppy/loving… way to start the day. A breakfast blessing.“ Neben einer Nahaufnahme des Essens werden die Zutaten und Besonderheiten, in einem Rahmen abgegrenzt, aufgezählt, wie z. B. spezifische Gewürze (Safran…) oder Bedeutungen (dass Nudeln in China ein Zeichen für langes Leben sind).

Es ist wirklich interessant zu sehen, was man an verschiedenen Orten auf der Welt zum Frühstück isst. Obwohl ich selbst großer Fan des süßen Frühstücks bin, überwiegen hier doch die salzigen oder gar warmen Gerichte (meine Horrorvorstellung auch noch am frühen Morgen kochen zu müssen!). Ein Höhepunkt und gelungener Abschluss sind die beiden letzten Stationen Antarktik und Weltraum, die ja nun ganz besondere Orte sind: unwirtlich und nicht unbedingt für Menschen gemacht. Hier gibt es frisch gebackenes Brot und in Beutel eingeschweißtes Essen. Natürlich ist der Weltraum als Ort in einem Buch über Gott auch ein besonders schönes Ende, denn man scheint sich ja seiner Perspektive angenähert zu haben. Folglich betet die Astronautin dann auch für die Erde. Abgesehen von der Astronautin hat jedes Kind einen Esspartner. Diese sind inklusiv, ohne dass eine politisch korrekte Vollständigkeit angestrebt wird: Neben den Eltern gibt es Großmütter, Glaubensgeschwister, Freunde und Kollegen. Es liegt in der Natur eines solchen Buches, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Haut-, Haar- und Augenfarben dargestellt  werden. Über alle Unterschiede und Grenzen hinweg verbindet sie jedoch ihr christlicher Glaube. Das Buch verbindet die kulturellen Unterschiede mit dem einenden Glauben und dem sozialen Aspekt der Gemeinschaft, der eben im christlichen Glauben auch sehr wichtig ist. Was eignet sich besser als ein gemeinsames Essen, um Kultur, Glaube und Gemeinschaft darzustellen?

© Kathrin Schneider

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